LICHTBOTE :: INFO
Überarbeitet: Oktober 2012
Erst-Erscheinung: 28.10.2008

Keltische Jahresfeste

Viele unserer traditionellen Fest- und Feiertage finden ihren Ursprung in der keltischen/nordischen Mythologie – die meisten Feste wurden von der katholischen Kirche so angepasst, dass sie nicht mehr als heidnische Rituale galten und auch weiterhin gefeiert werden durften. All diese Feiertage sind wichtige Punkte im Jahresverlauf und sollten von uns auch bewusst begangen werden – zumindest mit einem kleinen Ritual oder einer Andacht.
 

Heiliger Hain der Muttergöttin Noreia
(Keltenwelt Frög)

 

Samhain – keltischer Silvester [31. Oktober bzw. Nacht des 11. Neumondes = 18.11.2017]

Das Jahr der Kelten begann bereits in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November. Die Inselkelten des fernen Westens nannten dieses große Fest Sam(h)ain, was zu Deutsch soviel wie Sommerende bedeutet. Während der Feierlichkeiten stand nach keltischem Glauben die Zeit still, so konnte es vorkommen, dass das Fest auch schon mal 2 Wochen andauerte. Samhain gehört zu den Mondfesten und sollte eigentlich in der Nacht des 11. Neumondes gefeiert werden.

In der Zeit des Winternachtfestes beginnt die Natur zu sterben, um im Frühling wieder neu geboren zu werden. Man nahm sich immer ein Beispiel an der Natur, feierte die Gaben und Früchte, die die Natur über den Sommer für die Menschen reifen ließ - als Erntedanke ehrte man an Samhain die Geister der Erde. Die absterbenden Pflanzen, die sich für ihren Winterschlaf bereit machten, erinnerten die Menschen an ihre verstorbenen Ahnen, denen sie an diesem Tag ebenfalls gedachten.

Zu Samhain war/ist das Tor zur „Anderswelt“ geöffnet - zum Reich der Toten. So konnten Ahnen nächtliche Besuche bei ihren lebenden Verwandten machen und ihnen damit Glück bringen. Es war also kein Fest der Trauer – so wie im katholischen Glauben Allerheiligen/Allerseelen – sondern ein Fest der Freude und des Überflusses.

Samhain war ein Fest der positiven Jahresbilanz – eine Art Erntedank – bei dem Körper, Geist und Seele auf ihre Kosten kommen sollten. Daher wurden rituelle Festmahle in der Gemeinschaft veranstaltet, wo Unmengen an Schweinefleisch verzehrt wurde, das nach keltischer Ansicht Unsterblichkeit verlieh.


Übrigens
einer der wichtigsten Feiertage in Mexico ist der "Dia de los Muertos", also der Tag der Toten und wie es das südamerikanische Temperament erfordert wird dieser Festtag nicht still sitzend in einem kleinen Kämmerchen begangen sondern richtig laut gefeiert. Genau genommen handelt es sich dabei um mehrere Tage an denen der Verstorbenen gedacht wird. Überall findet man bunt geschmückte, grinsende Totenköpfe oder lustig bekleidete Skelette - man betrachtet den Tod dort nicht als etwas wovor man sich fürchten muss, sondern als etwas allgegenwärtiges, als Teil des Lebens. An den Festtagen ist in Mexiko überall ausgelassene Stimmung, es wird groß aufgetischt (auch für die Verstorbenen wird Essen bereit gestellt), auf den Friedhöfen wird gemeinsam Musik gemacht und getanzt. Man freut sich auf die Begegnung mit seinen Ahnen und erinnert sich an gemeinsame Erlebnisse. Ein Tag ist allerdings ruhiger als die anderen, nämlich der, an dem den verstorbenen Kindern gedacht wird. Interessanterweise werden die Gräber mit leuchtend orangefarbenen Blumen geschmückt und richtige Blumenwege angelegt, damit die Verstorbenen den Weg vom Friedhof zu ihren noch lebenden Verwandten finden.

Aber nun wieder zurück zu Samhain. Der keltische Silvester war ein besonderer Glückstermin, deshalb war es eine beliebte Gelegenheit für Eheschließungen.

Den gesellschaftlichen Höhepunkt zu Samhain bildete der Rückblick auf das vergangene und natürlich auch die Vorschau auf das kommende Jahr. Dabei fesselte der höchste File (Hüter der Sprache, der Überlieferung und der Orakelkunst) seine Zuhörer mit seinem magisch, prophetischen Vortrag und zog sie buchstäblich in seinen Bann. Natürlich wurde auch viel orakelt, dabei kamen Tierknochen, Äste, Steine und natürlich auch Runen "zu Wort".

Aus diesem keltischen Brauchtum hat sich in Irland dann das Halloweenfest entwickelt. (All Hallow’s Even = Allerheiligenabend). Auch im restlichen Europa haben sich ähnliche Bräuche entwickelt – vor allem das Kürbis schnitzen war ursprünglich weiter verbreitet als wir es annehmen, auch in unseren Breitengraden war es Tradition. Halloween wurde ursprünglich von irischen Auswandern in die Vereinigten Staaten gebracht, wo es sich schon bald zu einem wichtigen Volksfest entwickelte. Zu uns kam Halloween erst in den 1990er Jahren, wo es sich aber nur zaghaft verbreitet und viel zu sehr kommerzialisiert wird.

Schade eigentlich, denn wenn man die eigentliche Bedeutung des keltischen Brauches betrachtet, wäre es doch schön, mit unseren Ahnen in Kontakt zu treten und eine positive Rückschau zu halten. Zu Allerheiligen und Allerseelen werden wir immer alle traurig, besuchen unsere verstorbenen Verwandten an ihren Gräbern, zünden eine Kerze für sie an und das beginnende Novemberwetter macht uns zusätzlich depressiv. Sollten wir uns nicht eher an die schönen Stunden erinnern und uns darauf besinnen, dass nur die körperliche Hülle gestorben ist, weil doch die Seele entweder schon glücklich im Licht ist oder bereits in einen neuem Körper inkarniert ist?

Schieben wir also die Winterdepression beiseite und freuen uns darüber, dass manche Seelen schon so weit waren, dieses Leben zu verlassen um weiter zu gehen. Irgendwann treffen wir uns sowieso alle wieder…

Feiern wir das „Sommerende“ doch wie die Kelten - in Freude und Überfluss!

Happy Halloween!

Kleines Ritual gefällig?
An diesem Tag ist das Tor zur Anderswelt geöffnet - dh. mit wem ihr auch immer in Kontakt treten wollt, Samhain ist der richtige Zeitpunkt. Doch, schützt und erdet euch gut. Entzündet abends eine oder mehrere Kerzen und gedenkt eurer Vorfahren. Wenn ihr Fragen habt, oder Botschaften empfangen wollt, so wendet euch einfach an die geistige Welt oder an eure verstorbenen Ahnen, sie werden euch bereitwillig Antwort geben, denn die "Kanäle" sind in dieser Nacht besonders klar und offen.

Veranstaltet ein Festmahl mit euren Freunden und jeder soll Bilder seiner verstorbenen Verwandten/Freunde/Partner mitnehmen - gedenkt ihnen - ohne Wehmut (auch wenn's manchmal schwer fällt), ladet sie ein sich zu euch zu gesellen und erinnert euch an gute, lustige Zeiten mit ihnen. Dankt der Natur und Mutter Erde für ihre Gaben und dafür, dass sie uns umsorgt und behütet. Gemeinsam könnt ihr dann das vergangene Jahr Revue passieren lassen und ein bisserl orakeln (Karten, Runen...) wie die nächste Zeit wohl werden wird.  Wenn möglich, lasst die Kerzen die ganze Nacht leuchten, so seid ihr geschützt und nur lichtvolle Wesen werden euch besuchen.

Oder ihr geht an diesem Tag mit Freunden ausgelassen feiern und tanzt die Nacht durch (so hätten's die Kelten gemacht) :)

Info Noreia:
In der Keltenwelt Frög (Kärnten) findet man eindrucksvolle Nachbauten keltischen Kulturgutes, man ist überaus bemüht einen guten Einblick in die alte Kultur zu schaffen und zeigt viele Fundstücke der Ausgrabungen. Mitten im Hügelgräberfeld befindet sich der Heilige Hain der Noreia, Göttin der Fruchtbarkeit, leicht erkennbar durch ihre mehrfache Schwangerschaft. Ihre Anwesenheit in mitten der Gräberstätte ist ein Zeichen des ewigen Zyklus - neben den Toten steht die Göttin der Fruchtbarkeit, die immer für neues Leben sorgt.

Text: Sabine Miksu


 

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